Henry Ford hat Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Fertigung von Autos revolutioniert, indem er in seinen Fabriken die Fließbandproduktion eingeführt hat. Mit diesem Schritt hat er die Welt verändert: Das Automobil wurde zum erschwinglichen Massenprodukt, das unsere Vorstellung von Mobilität und Distanz grundlegend verändert hat. Der erste Industrieroboter wurde ein halbes Jahrhundert später entwickelt, war etwa eine Tonne schwer und hatte bereits die heute noch geläufige Form eines Metallarms mit mehreren Gelenken, die Bewegungsfreiheit um drei Achsen garantieren. Die Roboter haben die Produktion von Autos, Metallteilen und Maschinen zwar weiter erleichtert, denselben Einfluss wie die Einführung des Fließbandes hatten sie bislang aber nicht.

Das liegt vor allem daran, dass die Technologie noch nicht ausgereift ist. Die meisten Industrieroboter sind immer noch teuer, klobig und aufwendig zu programmieren. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Durch Fortschritte im Bereich des maschinellen Lernens und die zunehmende Fähigkeit von Computern ihre Umgebung wahrzunehmen, werden kommende Generationen von Industrieroboter gänzlich neue Möglichkeiten erschließen. Diese intelligenten Maschinen können nicht nur bestimmte Teile bearbeiten, wenn diese in der exakt richtigen Position vor ihnen liegen. Sie können Werkstücke sehen und selbstständig lernen, wie bestimmte Arbeitsschritte am besten erledigt werden können.

Schon heute können Industrieroboter eine Vielzahl verschiedener Aufgaben übernehmen, vom Schweißen über das Zusammensetzen von Teilen bis zur Qualitätskontrolle sind Routinearbeiten, die immer dieselben Arbeitsschritte unter den selben Bedingungen verlangen, schon heute kein Problem mehr. Die Industrieroboter der Zukunft werden aber weitaus vielfältiger sein und in den Bereichen Elektronik, Industrie und Medizintechnik völlig neue Produkte zu niedrigen Preisen ermöglichen. Schon heute ist die Elektronikindustrie neben der Autoindustrie und der Produktion von Metall- und Plastikteilen einer der Haupttreiber der Nachfrage. 2015 wurden etwa 250.000 Industrieroboter ausgeliefert, 2025 sollen es laut Schätzungen bereits 434.000 sein. Der Wert der jährlich verkauften Roboter soll im selben Zeitraum von 11 auf fast 34 Milliarden US-Dollar steigen.

Mensch und Maschine
Einer der Hauptvorteile von intelligenten Industrierobotern ist, dass sie mit Menschen kooperieren können. Traditionelle Metallarme, die einer starren Programmierung folgen, sind für Menschen äußerst gefährlich und werden deshalb in abgesonderten Bereichen betrieben. In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Unfällen gekommen, bei denen Menschen teilweise schwer verletzt worden sind. Die Industrieroboter der Zukunft werden hingegen nicht nur in der Lage sein, ihre Umgebung visuell wahrzunehmen und zu analysieren, sondern durch eine ganze Reihe von Sensoren auch wesentlich feinfühliger sein. Dadurch werden Menschen und Maschinen in der Lage sein, gemeinsam am selben Ort zusammen zu arbeiten. Durch die Kombination der jeweiligen Fähigkeiten werden ganz neue Möglichkeiten für die Produktionsstraßen der Zukunft eröffnet. Erste Schritte in diese Richtung werden in einigen Betrieben bereits heute unternommen.

Flexible Hard und Software
Das Entwickeln der Software und das Programmieren der Industrieroboter für bestimmte Aufgaben sind wesentliche Kostenfaktoren. Maschinen, die selbständig lernen und flexibel reagieren können, werden deutlich günstiger sein und Automatisierung in Bereichen ermöglichen, in denen das heute aus wirtschaftlichen Gründen undenkbar erscheint. Flexibilität ist aber auch im Bereich der Hardware ein interessantes Konzept. Weiche, ultrabewegliche Roboter könnten in Zukunft Aufgaben meistern, die ihre starren Verwandten von heute vor unlösbare Probleme stellen. Softe Roboter sind zwar noch Zukunftsmusik, zeigen aber, dass das Potenzial der Technologie praktisch grenzenlos ist. Da kommt auch das Fließband nicht mehr mit.