Wir schreiben das Jahr 1989. In diesem Jahr kommt der Klassiker „Zurück in die Zukunft II“ in die Kinos und am siebenten November 1989 wählt New York seinen ersten afroamerikanischen Bürgermeister. Am genau gleichen Tag erfolgt die erste Patenteinreichung der AT&S. Einer der beiden Erfinder auf der Patentschrift: Stahr Hannes. Jener Herr, der immer noch einer der rührigsten ist, die wir haben. Einer, der viel weiß – über vergangene Zeiten und kommende Herausforderungen.

Wer wann was mit wem gemeinsam entwickelt hat (AT&S-intern oder mit Partnerunternehmen), Jahreszahlen sowie Namen und Adressen aus den Anfängen der AT&S bis heute, Unmengen von technischen Details, wichtige und scheinbar belanglose Zusammenhänge -  im Gehirn von Hannes Stahr scheint noch nie etwas verloren gegangen zu sein. Diktiergeräte oder Notizblöcke wirken in einem Gespräch mit ihm wie lächerliche Versuche, die eigenen geistigen Unzulänglichkeiten zu vertuschen.

Er blickt auf niemanden herab aber viele blicken zu ihm auf, er ist einer der aktivsten Erfinder der AT&S, ein motivierter Enthusiast, ein von seiner fortwährenden Neugier Getriebener, immer am Suchen und verdächtig oft am Finden, nicht nur innerhalb seiner eigenen Schädelknochen. Das hat Ihn zu einer der prägendsten Figuren in der R&D gemacht. Sein Name auf der ersten Patenteinreichung der AT&S in ihrer letztgültigen Unternehmenskonstellation ist kein Zufall.

Ja, an das kann ich mich natürlich erinnern. Da ging es um starrflexible Multilayerleiterplatten und deren Herstellung, da haben wir ein Polyetheretherketon mit einem Plasmaverfahren teilweise klebend und im flexiblen Teil der Leiterplatte eben nicht klebend gemacht."

"Das ist leider nie zu einem Produkt geworden. Da waren wir viel zu früh dran und unserer Zeit voraus. Zu der Zeit hat AT&S nämlich noch gar keine starrflexiblen Leiterplatten produziert, erinnert sich Hannes Stahr, heute Group Manager Technology R&D der AT&S. Solchen Aussagen über Begebenheiten, die sich vor über dreißig Jahren zugetragen haben, führen Außenstehende schnell zur oben erwähnten Erkenntnis, dass von Hannes Stahrs internen Festplatte noch nie etwas gelöscht wurde.

Begonnen hat seine Karriere sehr früh. Der Entschluss in die Elektrotechnik zu gehen, reift schon im Hauptschüler Hannes Stahr heran. Im zarten Alter von zwölf Jahren fräst er mit einer Bohrmaschine seine erste Leiterplatte für einen Verstärker.

„Die HTL hätte fünf Jahre gedauert, und ich wollte einfach so schnell wie möglich die Matura haben. Das musisch-pädagogische Gymnasium hat nur Vier Jahre gedauert, also bin ich dort hingegangen.“

Mit dem Maturazeugnis geht er dann nach Graz und beginnt sein Elektrotechnik-Studium. Seine Fähigkeiten erweitert er beständig, kommt vom Fräsen zum Ätzen und schließlich zur Fototechnik. Als Student baut er ein Abwaschschaffel zu einem Schaumätzer um und konstruiert sich seinen eigenen Belichtungsrahmen. Er finanziert seinen Lebensunterhalt und sein Studium in den letzten Jahren mit dem Bau von Leiterplatten-Prototypen. Unter anderem für Kunden der AT&S, die damals Leiterplattenzüge mit einer minimalen Stärke von 150 μm produzierte. Hannes Stahr schaffte 100μm und weniger in seiner Studenten-WG.

Nach dem Abschluss hätte er überall hingehen können, das Angebot von AMS (damals schon ein renommiertes Unternehmen und Schwesternunternehmen der AT&S) lag auf dem Tisch – bei der AT&S jedoch bot man ihm an, am Aufbau der noch zu gründenden R&D-Abteilung mitzuwirken und dieser Anreiz gab den Ausschlag.

Seither forscht, entwickelt, probiert, sucht und findet Hannes Stahr in Leoben Hinterberg neue Lösungen. Er versucht den jüngeren Jüngern der Technik mitzugeben, was er für wichtig hält: Offenheit – für alle Arten von neuen Wegen trotz altbekannter Unwegsamkeiten. Er kennt das Gewerbe, hat mittlerweile seinen Stempel schon so einigen Patenten aufgedrückt und ist auch einer der Stimmberechtigten im IP-Review. Er weiß, wie lange der Weg einer Idee ist, bis sie zu einer patentrechtlich geschützten Innovation oder einem Produkt wird – denn wie eingangs erwähnt – Hannes Stahr vergisst nicht viel.

Nun ist er seit 33 Jahren bei AT&S und selbst wenn er nächstes Jahr in Pension geht, wird er uns noch eine Zeit lang erhalten bleiben. Ob AT&S ihn nicht ziehen lassen kann, oder umgekehrt, ist unwichtig. Entscheidend ist, dass sich Neugierde und Getriebenheit nicht gut mit Ruhestand vertragen.